Die graue Illusion: Wie uns alles um uns herum emotional aushöhlt – und was das mit deiner Sehnsucht nach Verbindung zu tun hat
Jessica Silis Jessica Silis

Die graue Illusion: Wie uns alles um uns herum emotional aushöhlt – und was das mit deiner Sehnsucht nach Verbindung zu tun hat

Hast du dich schon mal gefragt, warum wir Milliarden für den Erhalt von Altstädten ausgeben, während wir gleichzeitig neue Stadtviertel bauen, die so steril sind wie eine OP-Schleuse? Wir tun das, weil wir im Alten etwas finden, das uns heute fehlt: Das Echo unserer eigenen Individualität.

Die Sehnsucht nach dem „Fingerabdruck“ im Außen

Jeder von uns hat das tiefe Bedürfnis, Spuren zu hinterlassen und Spuren zu lesen. Frühere Generationen haben dieses Bedürfnis in Stein, Metall und Holz gegossen.

  • Die Story in der Fassade: Wenn du eine alte Villa betrachtest, siehst du die Entscheidung eines Architekten für genau diese Skulptur, genau diesen Blauton der Fliesen. Das ist geronnene Individualität. Unsere Seele erkennt darin: „Hier war ein Mensch mit einer Meinung, einem Geschmack, einem Schmerz.“

  • Der visuelle Hunger: In der Psychologie wissen wir, dass das menschliche Gehirn auf fraktale Strukturen (Muster, die sich im Kleinen wiederholen, wie in gotischen Fenstern oder barocken Ornamenten) mit extremer Entspannung reagiert. Studien zeigen, dass diese ästhetische Komplexität Stress um bis zu 60 % reduzieren kann. Unsere Sehnsucht nach Ästhetik ist also eigentlich eine Sehnsucht nach biologischer Regulation.

Wenn das Individuum im Raster verschwindet

Wenn wir heute in Autos steigen, die alle dieselbe Form haben, oder in Häusern leben, die wie Klone voneinander wirken, senden wir eine fatale Botschaft an unser Unterbewusstsein: „Du bist austauschbar. Deine Individualität ist ineffizient.“

  • Das beobachtbare Verhalten: Wir reagieren darauf mit einer fast schon verzweifelten Suche nach Ersatz-Individualität. Wir „personalisieren“ unsere Smartphones oder kaufen limitierte Sneaker. Aber das ist nur ein Trostpflaster. Die Sehnsucht nach einer ästhetisch gestalteten Umwelt ist die Sehnsucht danach, dass die Welt uns als Individuen ernst nimmt.

  • Gefühle und Gedanken: Wenn alles grau, weiß und glatt ist, entsteht eine „ästhetische Anästhesie“. Wir hören auf zu fühlen, weil es nichts mehr gibt, woran sich unsere Wahrnehmung reiben kann. Wir denken: „Ist doch egal, wo ich bin.“ Und genau dieser Gedanke ist der Anfang der Entfremdung – von uns selbst und voneinander.

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Warum Emotionen nicht nur etwas für Softies und Weicheier sind
Jessica Silis Jessica Silis

Warum Emotionen nicht nur etwas für Softies und Weicheier sind

Warum Emotionen nicht nur etwas für Softies und Weicheier sind. Im Gegenteil. Sie sind sogar essentieller Bestandteil unserer psychischen Gesundheit.

Was sagt die aktuelle Forschung?
Erfahre, welche Rolle Emotionen in unserer psychischen Gesundheit spielen, warum sie gerade bei Burn-Out massiv unterschätzt werden und wie wichtig Prävention hier ist.

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“Mindset kommt da an Grenzen, wo Emotionen übernehmen”
Jessica Silis Jessica Silis

“Mindset kommt da an Grenzen, wo Emotionen übernehmen”

Wir dürfen zwischen zwei Dingen unterscheiden: der mentalen Blockade und der emotionalen Blockade. Die mentale Blockade bezeichne ich gerne auch als „Brezel im Kopf“, die wir durch Mindset-Arbeit durchaus lösen können. Das geht z.B. durch einen anderen Fokus, Perspektivenerweiterung, positives Kopfkino, Selbstreflektion oder dadurch, dass wir uns bisher unbewusste (nicht emotional verankerte) Glaubenssätze bewusst machen.

Emotionale Blockaden sind eine ganz andere Hausnummer. Wir können unsere Emotionen nicht mit rationalen Argumenten wegdiskutieren. Ob wir es logisch, passend oder nachvollziehbar finden, wie wir uns gerade fühlen, ist unseren Emotionen schnurzpiepegal. Emotionen haben einen ganz klaren Arbeitsauftrag: Sie wollen uns zum Handeln bewegen und arbeiten immer für uns.

“Die Ursache einer emotionalen Blockade liegt stets im gestörten Dialog zwischen frontoparietalem Netzwerk und limbischem System.”

Veränderung ist hier nicht mehr durch Einsicht möglich, sondern nur durch eine emotionale Erfahrung und das ist der Knackpunkt!

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Was unsere innere Stimme mit unserem Stress zu tun hat
Jessica Silis Jessica Silis

Was unsere innere Stimme mit unserem Stress zu tun hat

Tiefes Mitgefühl für andere zu empfinden, sich in ihren Schmerz und ihre Freude hineinzuversetzen, ist ein Geschenk, aber es ist auch eine Verantwortung. Wenn diese Gabe überstrapaziert oder als selbstverständlich angesehen wird, beginnt sie sich weniger wie eine Stärke und mehr wie eine Last anzufühlen.

Empathie, die oft als eine der tiefsten menschlichen Tugenden gefeiert wird, hat ein Gewicht, das selten anerkannt wird. Sie drückt auf die Seele und entzieht Energie, die eigentlich geteilt und nicht völlig aufgeopfert werden sollte. Die Last beginnt oft ganz unschuldig. Du hörst zu, du kümmerst dich, du opferst deine Zeit und deine emotionale Energie für jemanden, der sie braucht. Mit der Zeit jedoch wächst ihre Abhängigkeit und damit auch der Tribut für deinen Geist. Du beginnst zu bemerken, dass sich deine Empathie nicht mehr wie eine Wahl anfühlt, sondern wie eine Pflichtveranstaltung. Ihr Schmerz wird zu deinem eigenen, ihre Kämpfe wiegen schwerer auf deinem Herzen als deine eigenen Sorgen. Empathie wird am belastendsten, wenn sie auf diejenigen trifft, die sie ohne Gegenleistung fordern. Es gibt diejenigen, die sich auf dein Verständnis stützen, ohne dir etwas dafür zu geben, die Trost in deiner Gegenwart suchen, während du langsam deinen eigenen Frieden verlierst. Das sind keine gegenseitigen Verbindungen, sondern einseitige Transaktionen, bei denen du dich ausgenutzt und ungesehen fühlst. Das Gewicht der Empathie wird verstärkt, wenn sie mit Schuldgefühlen kollidiert. Du fühlst dich verpflichtet, weiter zu geben, weiter zu verstehen, denn aufzuhören fühlt sich an wie im Stich lassen. Diese Schuldgefühle sind jedoch unangebracht. Sie rühren nicht von einem echten Versagen deinerseits her, sondern von einem tiefen Wunsch zu helfen, der von anderen ausgenutzt wurde. Die Last wächst, weil du dir selbst noch nicht die Erlaubnis gegeben hast, sie abzulegen. Kommt dir das bekannt vor?

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Stresskompetenz und Stressmanagement gehört an jede Schule
Jessica Silis Jessica Silis

Stresskompetenz und Stressmanagement gehört an jede Schule

Lehrermangel, Lernrückstände, Home Schooling - die Mär vom erfolgreichen, deutschen Bildungswesen. Sie bröckelt schon seit etlichen Jahren. Spätestens seit der Corona-Pandemie dürfte auch dem letzten Optimisten klar sein, dass hier tiefgreifender Handlungsbedarf besteht. Ich würde mir neben mehr Agilität im Bildungssystem auch mehr Fokus auf "Soft Skills" wünschen. Eine gut entwickelte Stresskompetenz würde die Situation von Schülern und Lehrern gleichzeitig massiv verbessern und auch zu mehr Lebensqualität beitragen. Zudem ist gesunde Stressbewältigung eine Fähigkeit, von der man ein ganzes Leben lang profitiert.

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Stress Coaching: die große Unbekannte
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Stress Coaching: die große Unbekannte

Was für Führungskräfte schon seit Jahren zur Normalität gehört, ist für den Durchschnittsbürger leider noch absolutes Neuland - insbesondere in kleineren Städten und in ländlichen Gegenden.

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