Warum Emotionen nicht nur etwas für Softies und Weicheier sind

Im Gegenteil. Sie sind sogar essentieller Bestandteil unserer psychischen Gesundheit.

Psychische Gesundheit beginnt dort, wo Emotionen verstanden, integriert und geteilt werden.
— Emotionsforscher Dr. Dirk Eilert
 

Welche Rolle Emotionen in unserer psychischen Gesundheit spielen

Lasst uns mal einen ganz kleinen Exkurs ins Gehirn machen. Hier gibt es ein paar Gesamtzusammenhänge, die für das Grundverständnis wichtig sind:
Der sogenannte “P-Faktor” misst das Risiko für psychische Störungen: ein hoher P-Faktor zeigt also ein hohes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass neben unverarbeiteten Bindungserfahrungen auch ein erhöhter P-Faktor die Integrität der sogenannten weißen Substanz im Gehirn vermindert - insbesondere in den Bereichen des Gehirns, die für die Emotionsverarbeitung zuständig sind.

Was ist denn die weiße Substanz?
Die “Kabel”, die aus den Nervenzellen herauslaufen und Impulse an die anderen Nervenzellen übertragen, werden Axone genannt. Diese haben eine Myelinschicht, die fetthaltig ist und daher im fMRT weiß erscheint. Wenn deren Integrität beeinträchtigt ist, bedeutet das, dass die Axone entweder nicht effizient organisiert sind oder die Myelinschicht beschädigt ist. Das führt dazu, dass die Kommunikation zwischen präfrontalem Cortex (zuständig für exekutive Funktionen wie Planung, Entscheidungsfindung, Arbeitsgedächtnis und Impulskontrolle) und Amygdala (unser Stress- und Emotionszentrum) nicht mehr stattfindet oder gestört ist.

Daraus folgt:
die Emotionsverarbeitung hängt sehr stark mit dem P-Faktor zusammen. Das sind quasi die BFF’s der psychischen Gesundheit.

 

Prävention im Bereich der Emotionsverarbeitung ist also enorm wichtig!

 

Während Therapie akute Brände löscht, sorgt Prävention in Form von Coaching, Training oder Wissensvermittlung dafür, dass es erst gar nicht brennt.

Studie: Riem, M. M. E., van Hoof, M. J., Garrett, A. S., Rombouts, S., van der Wee, N. J. A., van, I. M. H., & Vermeiren, R. (2019). General psychopathology factor and unresolved-disorganized attachment uniquely correlated to white matter integrity using diffusion tensor imaging. Behav Brain Res, 359, 1–8.



Das Botox-Syndrom und die Problematik der “emotionalen Dissonanz”

Vielleicht fragst du dich gerade: “Was hat Botox bitte mit Emotionen zu tun?” So ging’s mir auch… 😁

Beim Botox-Syndrom frieren Emotionen in uns ein. Das passiert, wenn wir bestimmte Emotionen nicht zulassen. Meist handelt es sich um ein unbewusstes Handlungsmuster. Das heißt, wir werden mit der Zeit unbeweglicher und unser emotionales System wird an bestimmten Stellen starr.

Das wiederum führt zu “emotionaler Dissonanz”.
“Kognitive Dissonanz” ist vielen bereits ein Begriff: das ist ein unangenehmer psychischer Spannungszustand, der entsteht, wenn wir widersprüchliche Gedanken, Überzeugungen, Werte oder Handlungen haben, wie z.B. zu wissen, dass Rauchen ungesund ist, aber trotzdem rauchen. Um dieses Unbehagen zu verringern, passen wir oft unsere Denkweise an (z. B. „Ich rauche, aber mein Opa hat auch geraucht und wurde alt“), ändern unser Verhalten (hören auf zu rauchen) oder suchen nach Rechtfertigungen, um die inneren Widersprüche zu beseitigen.

Emotionale Dissonanz” tritt auf, wenn wir im Inneren etwas Anderes fühlen, als wir im Außen zeigen. Ich bin z.B. traurig, tue aber so, als sei ich total glücklich. Oder ich empfinde tiefe Scham, zeige im Außen aber nur Ärger oder auch Verachtung.

 

Wer z.B. dauerhaft über Andere lästert, hat wahrscheinlich eher “Beef” mit dem eigenen Selbstwert 🤷‍♀️

 

Wir setzen uns quasi eine Maske auf oder machen gute Miene zum bösen Spiel. Das MAL zu machen, ist natürlich nicht schlimm. Wenn das jedoch zum Dauerzustand wird, sieht das schon wieder ganz anders aus. Das Ergebnis der Studie hat mich echt umgehauen, gleichzeitig aber auch bestätigt, was ich schon immer dachte - alles steht und fällt mit den Emotionen:

Dauerhafte emotionale Dissonanz ist ein größerer Faktor für Burn-Out als z.B. Arbeitspensum oder Zeitmanagement!

…und doch reden viele immernoch über Arbeitspensum und Zeitmanagement. Das ist vielleicht durchaus gut gemeint, im Endeffekt aber nur ein Pflaster.

Besonders anfällig für emotionale Dissonanz sind Menschen, die privat viele enge Kontakte mit Anderen haben oder in Berufen arbeiten, in denen sie viel mit anderen Menschen zu tun haben. z.B. Eltern, Führungskräfte, Lehrkräfte, Pflegekräfte, Servicekräfte, Ausbildende. “Wo Menschen sind, menschelt es einfach.”

Beruflich, z.B. bei Führungkräften, kann sich dieses “Surface Acting” durch die mangelnde Authentizität natürlich auch negativ auf die Performance auswirken, da dadurch das Vertrauensverhältnis geschwächt wird.

Studie: Kohnen, D., et al. (2026). Key drivers of nurse burnout and work engagement in Europe: A cross-sectional dominance analysis. International Journal of Nursing Studies, 173.


Puh… ganz schön heftige Infos, oder? Gerade Emotionen, bei denen wir uns klein und schwach fühlen, können viele nicht zulassen - weil ihnen einfach nie jemand beigebracht hat, wie das mit den Emotionen eigentlich geht. Das sind z.B. Trauer, Scham, Schuld oder Angst. Bei manchen (insbesondere Frauen) kann das aber auch die Emotion Ärger sein, die nicht “erlaubt” ist.

Ich höre ganz oft: “Du musst Emotionen einfach zulassen.” Das sehe ich auch so - nur wissen die meisten nicht, welche Schritte das ganz konkret beinhaltet. Wie genau geht das? Was muss ich machen?


Deshalb: lasst uns doch einfach den Prozess der Emotionsverarbeitung genauer anschauen!

Die 4 Schritte der Emotionsverarbeitung

  1. Impathie: die Fähigkeit, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und zu erkennen

  2. Empathie: die Emotionen anderer zu erkennen

  3. Emotionsregulation: Gefühle flexibel beeinflussen zu können

  4. Emotionsausdruck: Emotionen situationsangemessen (also flexibel) zu zeigen

 

Im Kern geht es also darum: Emotionen wahrnehmen, verstehen, regulieren und ausdrücken lernen

Ganz entscheidend ist hier auch meine innere Grundhaltung: sehe ich Emotionen als Freund & Helfer oder als Feind?

Je besser ich Emotionen und ihren Sinn verstehe, desto eher stufe ich sie in die erste Kategorie ein. Aus diesem Grund ist grundlegendes Wissen und ein Verständnis für die Funktion unerlässlich.

Wie wir die einzelnen Schritte durchführen, trainieren wir im Mesource®-Training - ganz ausführlich 👇

 

Mesource® Training

zur Stärkung der emotionalen Resilienz

Was ich persönlich paradox finde: Resilienz ist seit Jahren gefühlt in aller Munde. Das Schlagwort schlechthin - doch nur wenige scheinen zu wissen, was genau damit gemeint ist. Das macht es natürlich schwierig, Resilienz zu leben. Gleichzeitig wird uns seit geraumer Zeit emotionale Fragilität vorgelebt und das ist genauso schädlich, wie Emotionen wegzuschieben oder ihre Ausdrücke rigoros zu bestrafen. Wenn wir uns nur darauf fokussieren, was andere im Außen tun oder sagen dürfen und gleichzeitig den inneren Drang verspüren, den Stressor im Außen zu verbieten oder zu sanktionieren - nur, weil es uns sauer aufstößt oder es uns empört - agieren wir einfach emotional fragil. Punkt. Da fehlt der Blick nach Innen. Da fehlt Balance. Das gilt für alle Spektren.

Wir Menschen haben allgemein eher die Tendenz, von einem Extrem in das Andere umzuschlagen - ohne zu merken, dass keines davon unser Wohlbefinden erhöhen wird. Es geht immer um die richtige Balance - zur passenden Situation, in der passenden Intensität, auf eine passende Art und Weise.

Emotionen können dann ihre Aufgabe erfüllen und tragen so nachhaltig zu unserem Wohlbefinden bei.

Was ist Resilienz denn?

Resilienz ist kein angeborenes Merkmal – und es gibt keine Eigenschaft, die automatisch schützt. Sie ist auch keine einzelne Fähigkeit – und damit können wir sie auch nicht direkt trainieren. Was wir jedoch tun können: gezielt die Kompetenzen fördern, die eine resiliente Reaktion wahrscheinlicher machen.

Resilienz entsteht aus dem dynamischen Zusammenspiel individueller, kontextueller und sozialer Faktoren. Bei emotionaler Resilienz geht es um die Art und Weise, mit welchen Emotionen wir auf Ereignisse unseres Lebens reagieren und auch, welche Emotionsregulationsstrategie wir anwenden.

Resilienz ist also das Ergebnis flexibler Selbstregulation.

Es handelt sich also auch um einen Prozess – und zwar einen, den wir bei jeder neuen Herausforderung immer wieder neu starten. Je mehr Werkzeuge wir in unserem Werkzeugkoffer haben, desto flexibler können wir also auch reagieren und die zur aktuellen Herausforderung passendste Strategie auswählen. Über unsere Emotionen schaffen wir den Zugang zu diesen Strategien.

Warum ist ein voller Werkzeugkoffer so wichtig? Stell dir vor, du möchtest ein Haus renovieren, hast aber nur einen Hammer und einen Schraubenzieher. Das wird eine ziemlich mühsame Angelegenheit, oder? Es wird schnell klar: Nicht jedes Werkzeug passt zu jeder Aufgabe. Und genauso ist es mit unseren Copingstrategien unter Stress. Emotionale Flexibilität ist der Schlüssel. Durch sie erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit einer resilienten Reaktion.

Standest du schon mal im Stau? Wenn ja, kennst du sicherlich das Gefühl, das einen dann überkommt. Ärger… Frust… Da will man doch am liebsten ins Lenkrad beißen, oder? Ändert das was am Stau? Ne, natürlich nicht… und genau darum geht es. Wenn ich im Stau stecke, ist die Strategie der inneren Annahme total hilfreich. Das bedeutet jedoch nicht, dass das DIE Strategie schlechthin ist. Stell dir mal vor, es brennt und ich setze mich einfach hin und murmel nur“ja, mei. Is halt so.” und zucke mit den Schultern. - “Spinnst du!” denkst du jetzt wahrscheinlich. Auch da hast du wieder Recht. Wenn mein Haus in Flammen steht, wäre die innere Annahme eine ziemlich fatale Strategie… Es kommt immer auf den Kontext an.

Und genau darum geht es in meinem neuen Mesource®-Training! 🔥 Hier gibt es ganz viel Praxis für ganz viel Entwicklung - für Gruppen (Firmen, Vereine, Bildungseinrichtungen usw.).

Seid ihr bereit, eure emotionale Resilienz zu stärken? Im neuen Jahr habt ihr die Gelegenheit dazu – in Tagesworkshops oder in der 10-Wochen Journey. Ich freue mich auf eure Anfrage - lass uns gemeinsam die Grundlagen für eure emotionale Resilienz entwickeln! 🏋️‍♀️🔧

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Die graue Illusion: Wie uns alles um uns herum emotional aushöhlt – und was das mit deiner Sehnsucht nach Verbindung zu tun hat

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“Mindset kommt da an Grenzen, wo Emotionen übernehmen”